WÖ-WBK I

(aus: Schlaglichter Nr.50/01)

oder wie das Referentenschwein zur Kommunistensau wurde

"Seltsame Überschrift" wird der geübte Schlaglichter-Leser jetzt wohl denken. Stimmt. Seltsame Überschrift. Selbst der ein oder andere Teilnehmer der Veranstaltung, die dieser Text beschreiben soll, wird vielleicht nicht genau wissen, warum ich diese Überschrift wähle. Ich gebe zu, dass ich es selbst nicht genau weiß, aber sie passt. Sie ist nicht mehr und nicht weniger seltsam als der Kurs, den wir absolviert haben. WBK -ja, schon wieder so eine Abkürzung im DPSG-Jargon. Neun Wolflingsleiter aus den Diözesen Mainz und Fulda haben den berühmten Woodbadge-Kurs Teil l zusammen mit mir absolviert.

Nun, wir waren sicher nicht die ersten, die diesen Kurs miterlebt haben, mit Sicherheit nicht die letzten. Weder waren wir die tollsten Teilnehmer, die es je gab, noch zerfleischten wir uns. Und dennoch war der Kurs etwas besonderes. Unsere Teamer Tanja Meinberg, Markus Theile, Karl-Heinz Stein und Claudia Landsiedel gaben sich auch alle Mühe, den Kurs für uns besonders zu machen. Doch wir machten ihnen fast regelmäßig einen Strich durch die Rechnung - und vielleicht war es gerade das, was das Besondere ausmachte.

Zu Beginn ein wenig Theorie: Im Woodbadgekurs geht es um die Projektmethode. Nach Bildung von Kleingruppen war es unsere Aufgabe, Ideen zu finden, diese dann zu beraten, nach einer Entscheidung zur Durchführung und einem Abschlussfest zu kommen, bevor reflektiert werden sollte. Das Ganze war in einem Dreierschritt geplant - selbst erleben, theoretische Grundlagen, Transfer(enz) auf die eigene Gruppe. So hatten sich das zumindest die Teamer vorgestellt. Wir blieben dann fast nur in dem Selbsterleben, weil wir irgendwie die Ideenfindung zweimal machen mussten, da wir uns ein wenig auf einen "faulen Kompromiss" (Zitat Teamer) geeinigt hatten.

Neben dem ganzen Stress mit der Projektmethode mussten wir im Wechsel auch immer im herrlichen Bau zu Maria Einsiedel Küchendienst schieben, den Tag stilvoll ein- und ausläuten oder die Dokumentation für den entsprechenden Tag erstellen. Ich werde für jeden Tag O-Töne aus der Doku bringen, um die Authentizität zu wahren. In den eckigen Klammern lest ihr zusätzliche Kommentare und das, was dazwischen passierte.

Erster Tag, der 30.12.2000

Es war ein trüber Dezembertag, als wir uns um 10:00 am Bahnhof in Bensheim getroffen haben [es folgten: Vorstellungsrunde, neckige Spielchen auf dem Weg nach Einhausen, Ankunft und Ausruhen] Nachdem wir aus der "ich-will-nicht-mehr" -Phase erwachten, wurde das Partnerinterview vorgestellt. Das geschah, indem der eine Partner den anderen vorstellte. Natürlich hatten alle schon einen Bärenhunger und nachdem wir uns kennen gelernt hatten, trat das Abendessenteam in Aktion. Nach fast zwei Stunden Köchelei, Schnippelei und Rührerei gab's leckere Kartoffelsuppe mit Vanille- bzw. Schokopudding als Nachtisch [dann: Gottesdienst, Informationen zum Kennen lernen, Reflexion]

Trotz des Frierens und des anstrengenden Weges waren einige wieder putzmunter, die den Abend dann noch in der Küche bei ein oder vielleicht auch zwei Gläserinnen Wein ausklingen ließen.

Sonntag, Silvester, letzter Tag des Jahres, des Jahrzehnts, des Jahrhunderts, des Jahrtausends, 31. Dezember im Jahre 2000 des Herren, 2.Tag unseres WBKs - kurz gesagt: Der Tag, an dem die Sau von den Kommunisten befreit wurde

Todmüde waren wir noch alle
doch quälten wir uns aus der Falle
[anschließend bildeten wir Kiemgruppen]
Es sollten sein der Gruppen drei
Doch es waren zwei - und sie allein
[Probleme traten auf, Umbildung der Kleingruppen, anschließend: von drei Punkten aus in Kleingruppen Weg nach Maria Einsiedel finden]
Wir sollten unsern Weg erkunden
doch ham net alle ihn gefunden.
Halb erfroren angekommen,
Mittagsmahl zu uns genommen.
[dann: Info-Einheiten zu den Themen Kleingruppenbildung und Kennen lernen, Transfer, Gestaltung der Kleingruppenräume, Vorbereitung Silvesterfeier]
Nach viel Hektik und Geschwafel
setzten wir uns an die Festmahlstafel.
"Alle sind gleich doch manche gleicher",
dachte die Sau - um 'ne Mütze reicher.
[Hieraus resultiert die Überschrift: Mainzer Wo-Referentin Tanja Meinberg -war als Schrein verkleidet, sie klaute sich die Kommunistenmütze von Thomas - daher: Referentenschwein und Kommunistensau]
Und gesättigt vom Raclette,
wurde es dann richtig fett:
Ein Feuerwerk, weit weg und bunt-
in Gemsheim ging es richtig rund.
Danach begann das groß' Debakel,
wir befragten das Orakel
Kleine Bärchen bunt und fein,
sagten uns, wie es wird sein.
"Habt ihr die Mantik praktiziert?",
fragte Wolf ganz ungeniert.
Zum Ausklang der Nacht,
die Gitarre erwacht.
Und selbst wenn wir lallen,
uns hat es gefallen!

l. Januar 2001

Dieses Bruchstück ist alles, was von der Doku des 7.7. erhalten blieb:
Neujahrin der neuen Jahrzentin, der neuen Jahrhundertin der neuen Jahrtausendin im Jahres des Herrn 2001. Kurz gesagt der Tag der Orangen-massagerenz.
[Da das gar keinen Sinn gibt, hier kurz die Tages-Zusammenfassung: Transfereinheit, Wahl von Kleingruppen-Sprechern, Einführung in die Ideen-findung: Teamer kamen als gute Fee, die uns drei Wüsche frei gab, Konkretisierung unserer Wünsche in der Kleingruppe]

2. Januar 2001

Vorbereitung einer Kurzdarstellung der einzelnen Projektideen in Form eines Interviews
KG präsentieren ihre Interviews: Schwitzhütte, Backofen, Öffentlichkeitsaktion, besondere Jurte, Spiel [nach kurzer Beratung einigten -wir uns fatalerweise auf eine besondere Jurte mit Schwitzhütte und einem Ofen] - Skepsis und Stillschweigen der Teamer, Auflösung des Plenums, Teamer zogen sich zur Beratung zurück, Teamer äußern die Skepsis und ein Stimmungsbild wird durchgeführt [Ergebnis: alle zufrieden]. Teamer zweifeln am Stimmungsbild und regen Diskussion an - Ergebnis: neue Ideenfmdung und Konkretisierung alter Ideen - neue Interessen-Kleingruppen, nachts: Anstoß auf Karl-Heinz' Geburtstag, Sitzung des Dokuteams bis in die frühen Morgenstunden

Mittwoch, 3. Januar 2001 - Karl-Heinz' Geburtstag

Wecken mit Trillerpfeife und Weckruf (Danke, Wolf!!), Morgenrunde: Die mit dem Wolf tanzen -Körperertüchtigung in Form eines schottischen Volkstanzes." Vorbereitung der Präsentation unserer drei Projekte: Backofen, I. WBKnum [=besondere Jurte], Kunst [neues Projekt], Präsentation in der Großgruppe, Beratung -> Backofen fällt raus, Perspektivenwechsel [Jede Gruppe musste für das jeweils andere Projekt Werbung machen]

Donnerstag, 4. Januar 2001

Tag der Entscheidung: alle Teilnehmer befinden sich auf einem fiktiven ungemütlichen Bahnhof mitten in der Provinz. Es gibt zwei Züge, deren Lokomotiven aber beide kaputt sind. Es ist jedoch möglich, aus Teilen beider Lokomotiven eine funktionierende Lokomotive herzustellen.

Die fiktiven Reisenden müssen sich also für eine Richtung des Zuges entscheiden. Ein Zug könnte in Richtung Kunst-Projekt, der andere in Richtung WBKnum fahren. Nach einem kurzen Gespräch [...] beschlossen alle, im fiktiven WBKnum-Zug Platz zu nehmen [danach folgte: weitere Planung für das Projekt, erste Einkäufe...]

Freitag, 5. Januar 2001 - Die Geschichte von einem Tag, der die Grasfläche auf Maria Einsiedeis Fußballplatz veränderte

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit ein einsamer und verlassener Fußballplatz in Maria Einsiedel, der bis zu jenen Tagen in Ruhe vor sich hinvegetierte. Schon ein wenig vorbelastet durch den vorherigen Tag sollte er nun den völligen Tiefpunkt seiner Geschichte erreichen. Nach dem morgendlichen Schritt in den Tag ging es fast nahtlos über zum Schritt in den Matsch. [Beschreibung des Projekts:] Der Aufbau ließ selbst den kühnsten Architekten der Zeit die Luft wegbleiben: Drei Jurten gekrönt von einer kolossalen Hochkohte auf der das Banner des Sieges wehte. Auch das Innenleben des über alle Maßen wundervollen WBKnums reichte an gar göttliche Maßstäbe heran. Vor allem der Transpirarium-Trakt erforderte ein Höchstmaß an geistiger und kräftezehrender körperlicher Arbeit des mutigen Ofen-Teams. [..., Abschlussabend:] Alle Baumeister, heroisch ein jeder von ihnen, versammelten sich, um das Hinauswachsen des Menschen über sich selbst gebührend bei Speise und Trank zu begehen. Nach der Laudatio auf ihre Größe schickten sich die meisten der Gelobten denn aber auch an, ihr Meisterwerk auszuprobieren [...]

Samstag, 6. Januar 2001 - Der Abbau

[Hier fehlt leider noch jede Doku, so dass nur berichtet werden kann, dass wir unser Meisterwerk wieder abbauten und bis in die späten Abendstunden brauchten, alles wieder wegzuschaffen und ordnungsgemäß zu verstauen.]

Wenn ihr jetzt nicht so ganz begriffen habt, worum es die Woche über ging? Auch nicht schlimm. Wendet euch an einen der Teilnehmer oder Teamer oder lest euch die gesamte Doku des Kurses durch. Ob ihr daraus allerdings schlauer werdet, wage ich zu bezweifeln.

Marcus Ohl, Teilnehmer am Wö-WBKI

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