WBK1 Moussey/Frankreich

(aus: Schlaglichter Nr.55/02)

Eine Zugfahrt der besonderen Art

Unpünktlichkeit,zu wenig Service, schlecht verständliche Durchsagen, unfreundliches Unpünktlichkeit,zu wenig Service, schlecht verständliche Durchsagen, unfreundliches Begleitpersonal, das sind die ersten Kritikpunkte, die Bahnreisenden einfallen, wenn Sie auf die Qualität ihrer Zugfahrt angesprochen werden. Imageaufpolieren ist also dringend erforderlich; und das gelang auf einer Zugreise der besonderen Art.

Insgesamt 14 „Probanden" hatte die „Bahnleitung" eingeladen zu einer exklusiven WBK-Reise in das zauberhafte lothringische Dörfchen namens Moussey.

Drei neueste Triebwagen der Marke VW standen mit hochkompetem Fahrpersonal zur Verfügung, um die Fahrt so komfortabel wie möglich zu gestalten. Die drei Stunden Fahrzeit vergingen wie im Fluge, dank Hexe Miriam, die die Motoren der Fahrzeuge eigenes frisiert hatte.

Da die georderte Saftschubse nicht pünktlich am Ausgangsort erschienen war, übernahm Wiggi höchstselbst in einem Bus den Service mit dazugehöriger angenehmer unaufdringlicher Unterhaltung. Vermutlich deshalb wurde an einer Raststätte unterwegs das Personal aufgefordert, die Waggons zu wechseln (Hatte sich da wohl einer beschwert?!)

Beindruckt waren die Gäste von der Pünktlichkeit und dem reibungslosen Fahrtablauf. Der Sackbahnhof, er soll zu Europas größten gehören, von Moussey brachte die Fahrtgemeinde zum Staunen. Die Unterbringung war im dort angeschlossenen ICE-Hotel ***** gebucht. Dier luxuriöse Ausstattung der „Sammelkabine" –natürlich nach Geschlecht getrennt- war ein weiteres beeindruckendes Highlight.

Die Sprachbarriere ausgelöst durch die multikulturelle Zusammensetzung der Truppe (immerhin gehörten zwei Bayern zu den Teilnehmern) war spätestens in der gemütlichen Runde schnell überwunden.

Erleichtert wurde der Abbau von etwaigen volkstümlichen Vorurteilen durch die Kursleitung (Kerstin F. aus R. amt. DV, Roland A. aus Ei. amt. BV B. und Miriam. aus F. ehemals BV B.) und deren umfangreiche Methodenkopetenz.

Die Fahrdienstleiter machte die Reisegesellschaft mit dem weiteren Fahrplan für den WBK vertraut, ohne zu vergessen auf betriebsbedingte mögliche Fahrplanänderungen hinzuweisen.

Zwischenhalte des ersten Tages waren: Schritte in den Tag, Abklärung von Erwartungen, Spiele und Methoden zum Kennenlernen, Bildung von Kleingruppen mit jeweiligen Aufgaben, innerbetriebliche Infoblöcke und natürlich eine angemessene Reflexion.

Um kaum Zeit zu verlieren war es notwendig, die Teilnehmer auch hinsichtlich ihrer Nachtarbeitsfähigkeit zu prüfen. Dazu diente ein Ausflug nach Saarbourg am Dienstag: da dieser aus praktischen Gründen tagsüber stattfand (nachts haben halt Geschäfte zu) verband man der Hälfte „Azubis" einfach die Augen, während die andere Hälfte die Navigatisaufgaben übernahmen. Einige „Blindgänger" wurde durch ihre Ausbildungsabschnittleitung vor herausfordernde Aufgaben gestellt, die die meisten jedoch mit Bravour absolvierten.

Nachdem alle die Prüfung erfolgreich bestanden hatten, stand einer Beförderung der Reiseteilnehmer zum Zugführer nichts mehr im Wege.

Ein neues Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit durchwehte ab diesem Moment den WBK-Zug Moussey-Mainz. Endlich am Ziel der Träume, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen. Durch gemeinsames Handeln sollte ein geregelter Fahrbetrieb des Zuges verwirklicht werden, jedoch hatte man nicht bedacht, dass vor einer Fahrt auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke die langsame Fahrt über mehrere Rangiergleise und deren Weichen und Signalanlagen zu bewältigen ist. Eine echte Herausforderung bahnte sich da an!

Unter welchem Namen soll sich der Zug auf den Weg machen? An welchen Orten könnte der Zug unterwegs halten? Ist mit betriebsbedingten Verzögerungen zu rechnen? Sind alle Bedürfnisse und wünsche der Zugführer erfüllt? Welche Veränderungen und Auswirkungen soll die Reise für alle Passagiere haben?

All das Fragen, die es galt zu klären.

„Konsens" war das Zauberwort das alle Signale letztlich auf Grün stellen sollte. Nur bis dieses gefunden wurde, war es eine mühsame Fahrt über den Rangierbahnhof.

In Kleingruppen wurde eine Ideenfindung durchgeführt, um zu einem Konsens zu finden. Vom Bauen über die Entwicklung eines neuen Spieles reichten die Vorschläge bis hin zu einer Aktion in der Öffentlichkeit zum Thema der Jahresaktion "Pfad zum Frieden". Heiße Debatten und Wortgefechte wurden geführt, um zu einer Einigung zu gelangen. Alle sollten sich mit dem Projekt identifizieren können und ihren Platz bei der Durchführung finden können. Eine zunächst schier unerreichbare Zielvorgabe. Aber dann am Donnerstag, als man es kaum noch zu hoffen glaubte, als die Zeitspanne für eine Durchführung schon äußerst knapp bemessen schien, kam es zur Einigung: Das Jahresthema war es, das umgesetzt werden sollte.

Unverzüglich machte man sich an konkrete Vorbereitungen: Eine Collage wurde gestaltet, deren Mittelpunkt die Friedenstaube bildete. Bilder, die Unheilssituationen in der Welt zeigten bildeten mit dem Wort Frieden in Hebräisch, Englisch, Französisch und Latein einen spannungsreichen Gegensatz. Eine andere Gruppe konzipierte ein Flugblatt, das die Aktion vorstelllen, und helfen sollte, die Sprachbarriere zu überwinden. Eine große Friedenstaube zum Ausmalen für kreative Geister wurde entworfen. Mit all diesen Umsetzungsideen bepackt, setzte der WBK Zug seine Fahrt fort, Zielbahnhof die Stadt des Europaparlaments Straßburg. Hier auf dem Münsterplatz fand der Kurs seinen Höhepunkt. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Wunsches vieler Menschen nach Frieden. Ein großes verworrenes Netz entstand mit vielen Gedanken zum Frieden in der Welt. Es kommt zu vielen bewegenden Begegnungen mit Straßburgern und Touristen verschiedenster Länder. „Ein Mann bedankt sich für die Möglichkeit sich auszudrücken, weil es ihm sehr gut getan hat." Die Collage wächst, das Wort Frieden auf Griechisch, Arabisch und Italienisch wird hinzugefügt. Tränen der Betroffenheit fließen in Anbetracht der Situation in Israel und Palästina und vielen anderen Orten unserer Welt. Eine ganze italienische Schulklasse beteiligt sich. Oft sind die schriftlichen Äußerungen Ausdruck eines längeren Nachsinnens.

Gemeinschaft entsteht unter Fremden, Verständnis wächst, angeregt durch eine Gruppe deutscher Pfadfinder, dieser Gedanke macht die WBKler zu recht etwas stolz und berührt sie zugleich. Man spürt, etwas bewegen zu können.

Mit dem Lied „Flinke Hände, Flinke Füße" wird die Aktion beendet, wildfremde Junge Leute nehmen die Begeisterung auf, die Sprachbarriere scheint nicht mehr zu existieren.

Voller neuer, beeindruckender Erfahrungen wird die Rückfahrt nach Moussey angetreten, ein solcher „Erfolg" will ausgiebig gefeiert werden.

Doch ein starkes Stück Arbeit steht am Samstag noch bevor, in erster Linie für die Teamer, die Anleitung einer grundlegenden Reflexion des geschehenen Prozesses. Einen ganzen Tag dauert die Auswertung, plötzlich werden Momente, in denen es kein Weiterkommen mehr zu geben schien erhellt, plötzlich wurden Unklarheiten auf dem Weg zum Projekt klarer. Und die Erkenntnis wuchs, dass sich all das was die Gruppe in dieser Woche erlebt hatte auch andere Gruppen vor Ort, Rover und Pfadfinder er- und durchleben und manchmal auch durchleiden müssen.

Ein Gottesdienst am Samstagabend stellte die Erfahrungen noch einmal in den Horizont des österlichen Glaubens. Resignation, Enttäuschungen und Durststrecken müssen oftmals duchlitten werden, damit man zum Leben durchbricht. Der letzte Abend war geprägt vom nahenden Abschied. Eine echt abgefahrene Party hielt den Schmerz in Grenzen.

Katerstimmung am Sonntagfrüh. Einpacken, Aufräumen und Abfahrt von Gleis 13 ¼.

WBK – Wir warn dabei und würden es glatt wieder machen!

Gut Pfad

Weiterführende Links

Frank Becker u. Markus W. Konrad

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