… in Schwung bringen.

(aus: Schlaglichter Nr.57/02)

WBK I der Wölflingsstufe - Der Wood Badge Kurs 2002

Samstag morgen 10:00 Uhr auf einem Parkplatz in Fulda. 17 Personen stehen leicht frierend und teilweise sehr unausgeschlafen im Kreis und warten auf den Beginn der Expedition, die sie gebucht haben. Bereits zur Anmeldung wurde von jedem Teilnehmer ein Expeditionsvertrag unterschrieben und nun wird dem ein oder anderen klar, dass er damals gar nicht so genau wusste, worauf er sich da eingelassen hat. Es liegt eine gewisse Spannung in der Luft. Man ist neugierig und fragt sich heimlich, ob man dieses Abenteuer überstehen wird.

Staunende Zuschauer bei der PräsentationDer Rahmen, in dem die Expedition stattfindet, ist der Wood Badge Kurs I 2002 der Diözesen Fulda und Mainz. Es sind auch Teilnehmer aus Limburg und Trier dabei, deren WBK I dieses Jahr aus Teilnehmermangel nicht durchgeführt werden kann. Als Teamer stehen der Gruppe vier erfahrene WBKler zur Seite. Markus Konrad (Diözesankurat Mainz), Claudia Landsiegel (Diözesanvorsitzende Fulda), Verena Henkes (Wö-Referentin Fulda) und Nico Hentschel (Wö-Stufe Fulda)haben sich schon Wochen vorher zur Planung getroffen, um die Teilnehmer an ihre Grenzen zu führen.

Nach einer kurzen aber interessanten Runde von verschiedenen Kennen-Lern-Spielen ist klar, wie unterschiedlich die Charaktere der Teilnehmer und ihre Motivationen für dieses Abenteuer sind. Als erste Bewährungsprobe wird die Gruppe in drei kleine Teams aufgeteilt, deren Aufgabe es ist einen Gang zum Mittagessen zu organisieren. Natürlich mit äußerst beschränktem Budget und auch unter einem gewissen Zeitdruck. Nach der schnellen Mahlzeit wird in einem Spiel die Stadt Fulda erkundet, wobei auch hierbei die Kommunikation und das näherkommen zwischen den Abenteurern im Mittelpunkt steht. Dabei werden Fakten recherchiert, die sogar dem örtlichen Museum unbekannt sind. Jedem ist klar, dass diese kleine Stadtrally lediglich eine Aufwärmphase sein kann und dass Röderhaid – das erste Ziel des WBKs noch nicht erreicht ist. So macht man sich auf Schuster’s Rappen auf den Weg. Bei durchwachsenen Wetterbedingungen ist man froh, wetterfeste Kleidung dabei zu haben und trotz der Anstrengung heb sich die Laue der Truppe. Zwischenstation ist Eichenzell, wo die Gemeinschaft in der Pfarrei Zuflucht findet, wo sie eine warme Mahlzeit und eine trockene Unterkunft erwartet. Hier wird auch das Thema des WBKs vorgestellt – die Projektmethode. Mit dieser Methode sollen die Teilnehmer lernen ihre Gruppen zu motivieren und bei der Durchführung von Projekten zu unterstützen. Allerdings stehe nicht das theoretische Wissen, sondern die praktische Erfahrung im Mittelpunkt. Und so beginnt der ein oder andere eine Vorstellung zu bekommen, von dem was ihn in der nächsten Woche erwartet.

Vier Männer und ein TiramisuAm nächsten Morgen sieht das Wetter etwas besser aus, was die Stimmung weiter hebt, denn Röderhaid ist noch ein paar Stunden Fußweg entfernt. So sattelt man frühzeitig die Hühner und bricht auf. Auf den Spuren eines Spähers, der vorausgeschickt wurde, geht es durch Wald und Wiese. Das Wetter hält sich jedoch nicht lang und so wird es bald wieder Zeit für Regenjacken und Galgenhumor. Schließlich ist es soweit und die Tore von Röderhaid werden am Horizont sichtbar. Beflügelt von der Aussicht wird beschleunigt und die Gruppe gelang schon bald ans große Ziel.

Erreicht ist jedoch nur das örtliche Ziel. Die Aufgaben, die Vorort gelöst werden müssen sind aber noch nicht einmal bekannt. Doch niemand lässt sich entmutigen. Die Teilnehmer sind mittlerweile zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen und man freut sich auf die Herausforderungen der nächsten Tage. Das Haus wird erkundet und man ist von den gegebenen Möglichkeiten begeistert. Es werden kleine Gruppen gebildet, die in den nächsten Tagen das Projekt getrennt bearbeiten und voran treiben sollen. So entstehen die „Regenbogen“, die „Vielseitigen“ und die Gruppe „Rhöngeist“, die sofort damit beginnen ihre Basen einzurichten. Abend laden die Gruppen zu Willkommensveranstaltungen ein, in denen ein Erlebnissparcour, Meditation und verschiedene Spiele vorgestellt werden.

Am nächsten Tag werden zunächst einmal die Bedingungen erarbeitet, die die Gruppe an das Projekt stellt. Jeder soll sich in dem Projekt wiederfinden und die Grenzen der einzelnen Teilnehmer sollen respektiert werden. Es muss zum gemeinsamen Handeln und zu einem Abschluss des Projektes kommen. Auch die „Einzigartigkeit“ des Projektes ist ein wichtiges Kriterium. Was hast denn Du auf Deinem Teller?Während der nächsten Tag geht es in die heiße Phase der Expedition. Nach einer inspirierenden Einheit werden in einem „Brainstorming“ die verrücktesten Ideen gesponnen und zu Papier gebracht. „Mit 100 Euro um die Welt“, „Partei gründen“ und „Röderhaid verhüllen“ sind nur ein paar Highlights aus der Fülle von Ideen. Nachdem die einzelnen Vorschläge kurz erklärt wurden, damit sich jeder ein Bild machen konnte, was sich hinter den kurzen Schlagworten verbirgt sucht sich jeder Expeditionsteilnehmer drei Themen aus, die ihm besonders zusagen. Schon hier stellt es sich schließlich als äußerst schwierig heraus sich von einigen Vorschlägen zu trennen. In den Kleingruppen werden dann die Projekte diskutiert, die die einzelnen Mitglieder für sich ausgesucht haben, was zu Teil heftige verbalen Auseinandersetzungen führt. Ziel ist es, dass jede Kleingruppe sich auf drei Themen einigt, die sie alle zusammen mittragen und umsetzen wollen. Man merkt, dass alle Teilnehmer ernsthaft bei der Sache sind und auch noch beim Essen und in den Pausen über die Besonderheiten und Probleme der einzelnen Ideen reden. Schließlich werden von jeder Kleingruppe ihre drei Themen und die Methode vorgelegt, mit der das Projekt umgesetzt werden soll. Doch noch immer gilt es sich gemeinsam für ein Projekt zu entscheiden, was bedeutet, dass man sich von acht der noch verliegenden Vorschläge trennen muss. Die Diskussionen werden immer emotionaler geführt. Jeder Teilnehmer hat seine natürlich seine Favoriten und es stellt sich als sehr wichtig heraus, dass immer wieder kleine Pausen gemacht werden, damit sich die Gemüter wieder etwas beruhigen und man etwas Abstand von dem Projekt gewinnt und auf andere Gedanken kommt. Zur Auflockerung werden sogenannte Informationseinheiten von den WBK- Teamern durchgeführt, die die Teilnehmer dankbar annehmen und in denen Diskussionsverhalten und andere Dinge behandelt werden.

Nach erneuten Diskussionen in den Kleingruppen präsentiert jede Gruppe das Thema, was ihnen gemeinsam am meisten am Herzen liegt.

Die „Vielfältigen“ würde gern ein Hörspiel machen in dem das Thema „Behinderung“ aufgegriffen und behandelt wird. Die Gruppe „Rhöngeist“ begeistert sich für die Vision ein Kinderbuch zur entwerfen, in dem viele verschiedene Methoden angewannt werden, wie z.B. Kurzgeschichten, Bildergeschichten, Aquarell, Bleistiftzeichnung, etc. Die Präsentation der Gruppe „Regenbogen“ befasst sich mit dem Thema „In Schwung bringen“ und entstand aus der ursprünglichen Idee ein Karussell zu bauen. Man hielt ein Karussell aber für zu langweilig und erweiterte das Thema also auf alles, was man in Bewegung setzen kann, um dadurch selbst in Schwung zu kommen.

Erstaunlich! Es geht!Schwierig, schwierig. Immer noch gibt es keinen klaren Favoriten. Einer der Grundsätze für die Umsetzung des Projektes ist, dass jeder die Möglichkeit hat sich einzubringen und so seinen Teil zur Verwirklichung beizutragen. So wird auch weiterhin viel Überzeugungsarbeit geleistet und man redet sich die Köpfe heiß. Trotz allem werden die Gespräche mit äußerster Disziplin und Respekt vor den Meinungen der anderen geführt. Aber schließlich kommt die Gruppe an einen Punkt, an dem alles gesagt ist und sich die Argumente wiederholen. Genau an diesem Punkt schlagen die Teamer vor, eine Talk-Show nachzuspielen, in denen drei „Professoren“ die Vorteile ihrer Idee „Hörspiel“, Kinderbuch“ und „In Schwung bringen“ anzupreisen. Dadurch ist die Atmosphäre spürbar lockerer und man spürt, wie die Geister und Säfte der teilweise schon recht erschöpften Teilnehmer wiederbelebt werden. Und so kommt es, dass die Gruppe es tatsächlich schafft am Donnerstagabend eine gemeinsame Entscheidung zu treffen. Durch all diese Arbeit des vielen Redens und des Meinungsaustauschs ist es tatsächlich gelungen einen Konsens zu finden – eine Idee die jedem gefällt und an deren Umsetzung jeder begeistert mitarbeiten will. Diese Erfahrung ist den meisten Teilnehmern neu und motiviert sie noch zusätzlich. Ach ja, das Projekt, für das man sich entschieden hat heißt „In Schwung bringen“ und während vielen Gesprächen kristallisiert sich heraus, dass man gerne ein neues tolles Spielgerät entwerfen will, das auf dem Spielplatz, der nächstes Jahr für Röderhaid geplant ist, aufgestellt werden soll. Grundlage dieses Spielgerätes ist die Idee der Kettenreaktion – ähnlich wie bei einem alten Computerspiel namens “The incredible machine“. Also setz man sich kurzerhand zusammen und überlegt gemeinsam, wie so ein Gerät aussehen könnte. Jede bringt seine Kreativität ein und so kommt man zum Schluß, dass dieses Spielzeug aus sechs Platten bestehen soll, die zusammen ein Sechseck ergeben und an deren Seiten die Kinder spielen können. So plant man eine Förderband, das Sand, der von oben eingetrichtert wird weitertransportiert und dadurch ein sogenanntes „Managerspiel“ anstößt. Oder ein Puzzle aus vielen Würfeln, die verschiedene Pfadfindersymbole zeigen. Ein Fahrrad, das eine vorbeiziehende Landschaft antreibt, die auf eine Leinwand gemalt ist. Und Schließlich eine Ball, der über verschiedene Rohre, Flaschenzüge, Mühlen, Wippen und viele andere Hindernisse hinweg bewegt werden soll. Als alle Pläne stehen sind alle Beteiligten vollauf begeistert. Bis spät in die Nacht wird getüftelt, um die kleinen Probleme in den Konstruktionen zu beheben und die Materiallisten zu erstellen. Jeder weiß, dass die Zeit äußerst knapp ist. Es bleibt nur ein Tag um das Gedankengerüst zu realisieren.

Werkunterricht!Freitag – der letzte Tag. Schon früh morgens mit den ersten Sonnenstrahlen ist man wach und sofort beginnt man mit der Arbeit. Zunächst geht es darum das Material zu organisieren. Holz aus dem örtlichen Sägewerk, Einzelteile vom Schrottplatz, Tennisbälle vom Tennisclub, Werkzeug vom Nachbarn und einige Dinge aus dem Baumarkt. Dann geht’s richtig los. Den ganzen Tag hört man Maschinen heule. Es wird gebohrt, geflext, gehämmert und gesägt. Manche nähen die Leinwände und Förderbänder. Auch Leute die sich vorher für technisch unbegabt hielten entdecken neue Talente an sich und den Spaß den sie dabei haben. Keinem ist an diesem Tag langweilig. Das Essen fällt aus. Einige schmieren Brote für alle. Die werden allerdings so nebenbei verdrückt, weil ja die Zeit fehlt. Die Geräte nehmen immer mehr Form an. Und man ist zufrieden mit sich und seiner Arbeit. Allerdings setzt die Dunkelheit viel zu schnell ein, so dass nicht alle der geplanten Wände fertig gestellt werden können. Aber das wichtigste ist erreicht. Es hat sich in der letzten Woche eine Gemeinschaft gebildet, die gut funktioniert. Man respektiert und schätzt sich gegenseitig und hat aus dieser Quelle die Kraft für ein ordentliches Stück Arbeit geschöpft. Und man ist Stolz auf das geleistete.

So freuen sich nun alle auf eine schnelle Dusche, denn der Tag ist noch lang nicht vorbei. Während die Teilnehmer an ihrem Projekt gearbeitet haben, waren die Teamer nicht untätig gewesen. Sie haben ein wahres Festessen organisiert. Es gibt Cocktails und jede Menge Pizza und zum Nachtisch eine Tiramisu - Variation, deren Geheimnis der Chefkoch nicht verraten wollte. Spät geht man zufrieden in Bett und schläft ein.

Am nächsten Tag wird noch schnell aufgeräumt und man beschließt die Woche mit einem besinnlichen Gottesdienst. Es war für alle ein echter Erfolg und eine tolle Erfahrung. Man hat tolle Leute getroffen und Freundschaften geschlossen. Man ist um viele neue Ideen reicher und verabschiedet sich nur ungern voneinander. Bald wird man vielleicht wieder vom Alltag eingeholt, aber in nächster Zeit wird man noch ein wenig auf einer Wolke schweben und sich auf das anstehende Nachtreffen freuen.

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